Tipps für Bibliographier-Eichhörnchen

Als Assistent an deutschen Universitäten (1996–2007) war ich neben anderem auch zuständig für die Akquise wissenschaftlicher Literatur für die Seminarbibliothek. Dazu wälzte ich Kataloge, Werbeanzeigen, Verlagsankündigungen und vieles mehr. Das Suchen, Lesen und Aufnehmen potenziell interessanter Titel ermüdete – auch die zugegeben damals für einen Altertumswissenschaftler nicht weit entwickelte Software-Landschaft – was Datenbank- und Bibliographierprogramme mit Ausgabemöglichkeiten zur Textverarbeitung betraf – versprach nur eine marginale Erleichterung.

Zwischenzeitlich ist dieses Problem ausgefeilte Bibliographier- und Datenmanagementlösungen (Citavi, Endnote, Bibliographix, Mendeley, Zotero und wie sie alle heißen) gelöst, die in der Zwischenzeit entwickelt wurden und die eine Online-Schnittstelle zu Bücherdatenbanken unterschiedlichster Qualität anbieten, und man kann in relativ kurzer Zeit eine Menge Titel in eine gut strukturierten »Wissensdatenbank« aufnehmen und weiterverwenden.

Eine weitere Erleichterung versprechen seit einiger Zeit die verschiedenen Listen, die der/die Wissenschaftler/in entweder von Fachzeitschriften, Rezensionsorganen und anderen Quellen abonnieren können (z. b. bei der Bayerische Staatsbibliothek München, der Zeitschrift »sehepunkte.de«, bei »H-Soz-Kult« oder »Bryn Mawr Classical Review«). In den Inhaltsangaben der relevanten Zeitschriften (bei »H-Soz-Kult«) wird gelegentlich auch der Besprechungsteil ausführlich genannt – explizit habe ich dieses gerade bei den neuesten Bänden des ›Journal of Hellenic Studies« und des »Journal of Roman Studies« erlebt. Denn hier sind i.d.R. mehr oder weniger alle notwendigen Angaben gelistet, die man für eine brauchbare Bibliographie benötigt. Schwachpunkt: diese Daten kommen aus einer Datenbank, werden aus ökonomischen Gründen in eine Textdatei verwandelt und müssen vom Anwender in ein Bibliographierprogramm zurückgeholt werden.

Wir brauchen aus der uns vorliegenden Textdatei ein Kriterium, das es uns erlaubt, die Daten zu transferieren und durch Recherche- und Importfähigkeit zurückzuholen. Und das kann nur eine Information sein: die entweder 10- oder 13-stellige ISBN, die ich aus der kopierten Textdatei extrahieren will.

Doch wie vorgehen? Wie kann ich die ISBN, die mal mit dem vorangestellten »ISBN«, mal ohne, mal mit 10 (altes System), mal mit 13 Ziffern, getrennt mit einem Leerzeichen oder Divis oder ungetrennt genannt wird, extrahieren und weiterverwenden?

Mein erster und simpler Gedanke: ich muss dieses eindeutige Kennzeichen maskieren und alles andere drumherum wegwerfen. Doch wie will ich das machen und vor allem: mit welchem Programm kann ich Informationen maskieren, nicht Benötigtes ausschneiden und wegwerfen und sozusagen nur noch die Quintessenz zurückhalten?

Weg 1

(von vielleicht mehreren, von denen ich aber nur zwei kenne und nutze – Weg 1 wird der für viele sinnvolle sein, da Weg 2 software- und kostenabhängig ist):

  1. Ich übernehme die Textdatei in Word als reine, formatierungslose Datei im UTF-8-Format
  2. Ich suche mit »Suchen und Ersetzen« im Text nach ISBN und ersetze diesen Ausdruck durch ein Tabulator-Zeichen
  3. Dann wird der Text (mit diesem einen Tabulator-Zeichen) in eine Tabelle verwandelt.
  4. Jetzt prüfe ich letztmalig, ob alles passt, ich nur zwei Tabellenspalten habe und aus welchem Gründen der Informationsüberlieferung in der zweiten Tab-Spalte nur die ISBN-Zahlen stehen; denn diese zweite Spalte brauche ich.
  5. Nun markiere ich diese Spalte, mit CTRL-C kopiere ich den Inhalt in ein einfaches Textprogramm (z.B. Notepad ++) ohne alle Formate, so dass ich eine Liste nur mit 10 bzw. 13 Stellen und einem festen Absatz nach jeder Zahl habe, und speichere diese Datei im einfachen Textformat (also als *.txt-Datei). *** Nota bene: dieser Inhalt befindet sich auch noch im Zwischenspeicher. Das ist wichtig, um den Weg 1 auch alternativ fortzusetzen. ***
  6. Diese Textdatei importiere ich anschließend in meinem Bibliographierprogramm – ich verwende seit Jahren ausschließlich Citavi (Version 3.4 [sollte aber auch für die neueren Versionen klappen] für MS-Word- und Adobe-Indesign-Dateien) und JabRef (für LaTeX-erstellte Texte) – über (1) »Abrufen per ISBN«, (2) »aus einer Datei«, (3) »Eingabe übernehmen« und erhalte nach einer mehr oder weniger kurzen Zeit die entsprechenden Titel in Citavi.
    Die andere Möglichkeit in Citavi – darauf verweist der Hinweis »Nota bene» in Punkt 5 auf den Inhalt im Zwischenspeicher – zu importieren besteht statt (2) »aus einer Datei« gleich den Menupunkt »aus der Zwischenablage« zu wählen.

Weg II

  1. Ich importiere die komplette Literaturliste inklusive der ISBN in eine Datei in meinem Satzprogramm Indesign (aktuell: CC 2015.2), die ich mit einem Zeichenformat – z.B. »ISBN« bestückt habe. Mehr Formate benötige ich nicht.
  2. Jetzt suche ich mit einem GREP-Ausdruck nach der ISBN und formatiere sie mit dem Zeichenformat »ISBN«
    Suche: (\d{13)
    Ersetze durch: $1, Zeichenformat: ISBN
  3. Mit einem zweiten GREP lösche ich nun alles, was nicht mit dem Zeichenformat »ISBN« ausgezeichnet ist, einfach weg
    Suche: Eingabefeld leer lassen; Format suchen: [Ohne]
    Ersetzen durch: \r; Format suchen: leer lassen
  4. Die erhaltene Liste mit STRG-A markieren, mit STRG-C kopieren, dann folgen die Schritte, die ich in Weg 1 ab Punkt 5 beschrieben habe. Ich erhalte dasselbe Ergebnis.

Resultat: Viel Zeit gespart, die ich anders nutzen kann.

Mindestens zwei Probleme bleiben: Ich habe nur eine allerdings intellekuelle Einschränkung zu machen. Ich kann im Bibliographierprogramm auf diese Art schnell viele Titel importieren, aber weder wird mir die Rezeption dieser Titel damit erleichtert (denn ich habe sie nur importiert, aber nicht gelesen) noch kann ich vordergründig entscheiden, welche Informationen aus der importieren Textdatei im Bibliographierprogramm ankommt. Denn das entscheidet nur das Programm durch den Zugriff auf die gelisteten Bibliotheken und die dort hinterlegten Informationen.

Für die Altertumswissenschaftler unter der Leserschaft sind die beiden Dateien gedacht, die heruntergeladen werden können: die Liste aus dem neuesten Band des JHS (isbn_jhs105_2015.txt) und des JRS (isbn_jrs105_2015.txt).

Für weitere Hinweise, Informationen oder Verbesserungen stehe ich gerne zur Verfügung.

Ausgelesen

Cover Peil, FlutNach nun sechs Jahren ist es gelungen, das letzte Exemplar eines Titels aus der Verlagsproduktion zu verkaufen. Marita Peils »Die große Flut« ist nunmehr abverkauft, aber jedem/jeder, den/die es interessiert, sei versichert: Die Vorbereitungen zur 2. Auflage sind angelaufen, das Buch wird durchgesehen, korrigiert und soll im Laufe des Jahres 2016 in einer broschierten Auflage wieder angeboten werden. Vorbestellungen können ab sofort dem Verlag gemeldet werden.

Cover Mosig-WalburgDasselbe gilt auch für Karin Mosig-Walburgs großes Werk »Rom und die Perser« (2009), das 2016 in durchgesehener, korrigierter und erweiterter Fassung wieder aufgelegt wird. Auch hier nimmt der Verlag gerne Vorbestellungen an. Seien Sie auf die Ankündigung und weitere Informationen gespannt.

Götter in der Provinz – Pietas 7

Mit dem Jahresbeginn 2016 ist auch der neueste Band »Götter in der Provinz« der althistorischen Reihe »PIETAS« erschienen.

cover_9783940598264Mit Oliver Schipps Studie zu Weiheinschriften in der nördlichen Germania superior und der östlichen Gallia Belgica wird die obergermanische Provinzhauptstadt Mogontiacum (Mainz), das rheinhessische Becken, das vorgelagerte rechtsrheinische Gebiet sowie das Dekumatland bis zu den einzelnen Limesabschnitten und darüber hinaus nach Vorkommen, Geschichte und Bedeutung vorhandener einheimischer und eingebrachter fremder Kulte und Kultvorstellungen untersucht.

Weitere Informationen sind auf der betreffenden Seite des Verlags zu finden.

Pompeii: The First Navigation Map

pompeiiDas Projekt »Pompeii: The First Navigation Map« erinnert mich noch immer an eine Übung während meiner akademischen Zeit in Frankfurt, als ich den Studierenden – damals 5 an der Zahl (!) – eine Frühform der Digital Humanities beibringen wollte. Mühsam die Informationen über Orte, Personen, Quellen und Bilder in eine Datenbank einzugeben, um sie dann mit geographischen Koordinaten zu kombinieren und im Browser auszugeben. Es war irgendwann um das Jahr 2005 – und jetzt, 10 Jahre später, ist das andere Projekt im WWW zu benutzen. Vielleicht war die Idee nur zu früh angedacht, die Begeisterung der Studierenden noch nicht ausgeprägt und die technischen Mittel noch nicht so ausgereift. Die Basis war die gleiche: die Publikationen vornehmlich von Norbert Eschebach, dazu die weitgehend verlässlichen GPS-Daten aus Google Maps zu Pompeii, die miteinander verbunden werden sollten – bis das Semester beendet war und alle Teilnehmer zu neuen Projekten aufbrachen. Seitdem liegen die Informationen im Schreibtisch und warteten auf eine Nachbearbeitung, die sich nun erledigt hat – dieses Projekt ist besser und ausgereifter als es unser Projekt von 2005 sein konnte.

Gott zur Ehr’ – dem Nächsten zur Wehr

Unter dem Titel »Gott zur Ehr’ – dem Nächsten zur Wehr. Geschichte und Geschichten der freiwilligen Feuerwehr Bad Kreuznach« erscheint am 24.10.2015 das neueste Buch von Marita Peil im Computus Druck Satz & Verlag. Hatte die Autorin sich in ihrem ersten Buch (2009) noch mit dem Katastrophen-Pendant Feuer, nämlich der Geschichte der Hochwasserkatastrophen in der Stadt und im Landkreis Bad Kreuznach beschäftigt – übrigens ist die Auflage von 700 Exemplaren nach sechs Jahren nun ausverkauft –, so widmet sich Marita Peil nun der Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Bad Kreuznach und den Geschichten rund um Katastrophen, Bränden, Rettungsaktionen und auch dem gesellschaftlichen Leben und Wandel eines Vereins seit seiner Gründung im Jahr 1878.

Die Buchpräsentation findet am Vorabend, am 23.10., um 19 Uhr statt, wiederum im »Haus des Gastes« (der ehemaligen Freimaurerloge) in der Kurhausstr. 22–24 in Bad Kreuznach statt.

Einladung zur Buchpräsentation
Einladung zur Buchpräsentation

Aus dem Klappentext sei an dieser Stelle zitiert:

Dieses Buch stellt die wechselvolle Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Bad Kreuznach samt vielen ihrer interessantesten Fälle in der Zeit von 1878 bis 2005 in den Mittelpunkt und würdigt den gefahrvollen Dienst der Wehrleute für das Wohl der Bürger unserer Stadt. Es berichtet in spannender, oft auch rasanter Weise von schlimmen Schicksalen im Schatten von Brandkatastrophen, Unwettern und anderen Ereignissen. Der Leser taucht aber auch in die vielfältigen, ihm oft unbekannten Facetten der Stadtgeschichte Bad Kreuznachs ein und in die Erinnerung an manches historische Gebäude, das heute längst Vergangenheit geworden ist.
Besondere Brisanz birgt das ganz normale Alltagsleben in der Stadt rund um die einzelnen Feuerwehreinsätze, an das man heutzutage gar nicht mehr denkt und das nun wieder vor den staunenden Augen des Lesers lebendig wird. Todesmutige Wehrleute, Pyromanen und renitente Katastrophentouristen, auch Pechvögel, Blaublütler und Ehrfurcht gebietende Patriarchen … – in diesem Werk sind sie alle versammelt.
Insgesamt bietet das Buch ein breitgefächertes Kaleidoskop hoch interessanter, aber auch nachdenklich stimmender, und zuweilen gar skurriler Geschichte und Geschichten – spannend und furios erzählt und, bei aller Ernsthaftigkeit, auch immer wieder mit einem guten Schuss Humor und hintergründiger Ironie gewürzt.

Plakat an der Bushaltestelle
Werbung auch mal anders

Die Daten zum Buch:
Im Umfang von 382 Seiten, gebunden, für 27,90 Euro unter ISBN 978-3-940598-25-7 in jeder Buchhandlung oder direkt beim Verlag bestellbar.

 

Jahresrückblick 2014

Die inflationäre Verwendung des Wortes »Jahresrückblick« wird nur noch getoppt, wenn im Januar 2015 bei jeder Gelegenheit auf das vergangene Jahr zurückgeblickt wird und aus dieser Retro-Schau deutungsschwere Vorhersagen für das gerade angebrochene Jahr versucht werden. Ich möchte dieser Entwicklung nicht weiter Vorschub leisten; deswegen soll an dieser Stelle wirklich ein Resümee meiner Arbeiten des vergangenen Jahres 2014 gezogen werden.

Was die Publikationen aus meinem Verlag betrifft, so ist hier sehr schnell alles geschrieben. Im Jahr 2014 konnte ich nach kürzeren Vorarbeiten zwei (in Worten: zwei) Bücher abschließen und erscheinen lassen. Das ist zugegeben nichts im Vergleich zum Jahr 2013, in dem ich acht Bücher unterschiedlicher Länge unter meinem Label »Computus Druck Satz & Verlag« veröffentlichen konnte und darüber hinaus noch sieben Bücher für andere Verlage abschloss.

Aber das war auch ein Grund, warum es nur 2 Bücher in 2014 werden sollte: »Ausgepowert« zum Jahresende 2013 war es mir nur unter erschwerten Bedingungen gelungen, Autoren zu finden. Dafür widmete ich mich den Projektausschreibungen verschiedener potentieller Auftraggeber und einem aus triftigen Gründen lange vernachlässigten Projekt, das ich im Frühsommer abschließen konnte: die Sammlung der althistorisch relevanten Beiträge von Eberhard Ruschenbusch.

Cover Ruschenbusch 2014

E. Ruschenbusch hatte mich Ende 2006 mit dem Satz, dem Layout und den Korrekturen seiner »Kleinen Schriften zur Alten Geschichte«  beauftragt, doch schon im Januar 2007 verstarb er nach kurzer Krankheit. Da allerdings Ende Juni 2007 meine Assistentstelle in Frankfurt mit Ablauf des Zeitvertrages endete und die beabsichtigte Selbstständigkeit alle Konzentration benötigte, kam ich zu den Arbeiten an Ruschenbuschs Vermächtnis nur immer dann, wenn Luft im Verlag war bzw. keine Projekte meine Aufmerksamkeit brauchten, weil sie abgeschlossen in der Druckerei auf das »Tageslicht« warteten.

Einfach waren die Arbeiten an den Kleinen Schriften nicht. Da waren einmal die Beiträge des Auftraggebers, die einen Zeitraum von annähernd 40 Jahren umfassten und bis auf die wenigen jüngsten Beiträge nicht mehr in einer elektronischen Fassung vorlagen. Sie mussten also kopiert, eingescannt und korrigiert werden, um Scan-Fehler, aber auch in den Originalpublikationen stehen gebliebene Orthographie- und Satzfehler zu finden und zu eliminieren. Dazu kamen Neuzeichnungen einiger benötigter Landkarten – die Qualität in den Originalbeiträgen fanden nicht meine Zustimmung – und die Arbeiten am Stellenregister, die aufgrund der unterschiedlichsten Publikationsorte und -sprachen nicht so weiteres abliefen und sich einfach gestalteten. Alles in allem – ich hatte ja schon Ruschenbuschs rechtshistorische Beiträge für den Harrassowitz Verlag in der Philippika-Reihe gesetzt und wusste, wie viel Arbeit hier auf mich zukommen konnte – war es eine Heidenarbeit, an die ich mich nur mit ausreichend Zeit setzen konnte, um wieder ein Stück voranzukommen.

Im letzten Jahr nahm jedoch die Aufmerksamkeit und der freundschaftliche Druck eines der Herausgeber der Reihe »Philippika« immer mehr zu, dass ich zusagte, endlich zum Abschluss zu kommen. Es war nicht leicht, aber es gelang. In der optisch nicht leicht sympathischen, aber doch auffälligen Aufmachung der Reihe »Philippika. Altertumswissenschaftliche Abhandlungen/Contributions to the study of the ancient world« erschien als 65. Band:

  • Eberhard Ruschenbusch: Kleine Schriften zur Alten Geschichte. Herausgegeben von J. Kobes, Wiesbaden: Harrassowitz Verlag, 2014.

Daneben – auch um den Lebensunterhalt zu sichern – gelang auch das wider Erwarten mit etwas Wartezeit und der konzentrierten Arbeit an Büchern für andere Auftraggeber. Hier ist zum einen der 2. Band der »Panegyrici Latini, übersetzt v. Brigitte Müller-Rettig« zu nennen, der in der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft in Darmstadt erschien, außerdem wurden drei Publikationen im Konrad Theiss Verlag, einem Imprint der WBG , publiziert:

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AI 71: Mössingen
  • Michaela Jansen, Stadtumgestaltung im Hochmittelalter. Die Städte Esslingen, Breisach und Zürich im Vergleich, Darmstadt: Kommissionsverlag Konrad Theiss Verlag, 2014
  • Archäologische Informationen aus Baden-Württemberg 71: Dorothee Ade / Frieder Klein / Andreas Willmy, Verdammt lang her … Funde aus Mössingens Frühzeit, Esslingen: Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, 2014
  • Richard Vogt, Kolluvien als Archive für anthropogen ausgelöste Landschaftsveränderungen an Beispielen aus der westlichen Bodenseeregion (MH 55), Darmstadt: Konrad Theiss Verlag, 2014

[Fortsetzung folgt ‌…]

Jahresrückblick 2014 – Fortsetzung

Im Mai 2014 nahm ich mit meinem Verlag und als Vertreter des Scripta Mercaturae Verlages aus St. Katharinen, bei dem ich 1992 meine ersten Schritte im Verlagswesen unternehmen konnte, an der 1. Rheinland-Pfälzischen Buchmesse in der Alten Lokhalle in Mainz-Mombach teil. An drei Tagen konnten die neuesten Publikationen beider Verlage vorgestellt sowie Kontakte zu anderen Verlagen und zu  Buchhandlungen geknüpft werden. Daneben – und das ist ja ebenfalls ein Ziel einer Produktmesse – konnten auch Autoren das Gespräch suchen und mir ihre Projekte vorstellen.

Cover F. Deutschmann, 2014
Cover F. Deutschmann, 2014

Daraus entwickelte sich ab Juni ein Buchprojekt, das im Oktober 2014 mit einer Buchpräsentation auf der Burg Rheinfels in St. Goar vorgestellt wurde: Frank Deutschmann: Mikrogeschichte in St. Goar. Wer räumt hier eigentlich auf? Die Folgen einer Umweltkatastrophe im Jahre 1784, Gutenberg: Computus Druck Satz & Verlag, 2014

Ein weiteres aus Gesprächen resultierendes Buch wird in der ersten Jahreshälfte 2015 im Rahmen der altertumswissenschaftlichen Reihe »Pietas« erscheinen. Dazu dann an dieser Stelle mehr Informationen.

Ausonius‘ Mosella und das antike Seewesen

Cover Göttlicher, Ausonius
Cover Göttlicher, Ausonius
Cover Göttlicher, Ausonius

An den Iden des März (vulgo: 15.03.) erscheint mit Arvid Göttlichers »Ausonius‘ Mosella und das antike Seewesen« ein weiteres, altertumswissenschaftlich interessantes Buch, das sich mit Ausonius‘ Gedicht, seinen Lokalcharakter, aber auch mit vielen maritimhistorischen Bemerkungen beschäftigt. Den Informationen aus dem Gedicht des 4. Jhs. n. Chr. folgt Göttlicher bis in die neueste Zeit.

Aus dem Klappentext sei zitiert: »Ausonius’ Mosella, das wichtigste Werk des im römischen Staatsdienst tätigen Beamten, Dichters und Lehrers gallo­römi­scher Herkunft aus dem Bordeaux des 4. Jahrhunderts n. Chr., dient Arvid Göttlicher als Ausgangspunkt für eine umfassende Studie zur antiken maritimen Geschichte. Dabei gelingt es ihm, die im Werk weit verstreuten Hinweise zur Geographie des linksrheinischen Germaniens, zur griechischen und römischen Ge­schichte, die römischen Vorstellungen mari­timer Götter und Gottheiten sowie der Wasserlebewesen zu verbinden und sie dem historischen Fortschritt sowie den neuzeitlichen Begriffen und Bedeutungen aussagekräftig gegenüberzustellen.
Damit glückt ihm in imponierender Weise, die antike Perspektive maritimer Erlebens- und Gefühlswelt mit moderner Adaption und Variation zu kombinieren – eine beeindruckende Studie, Ausonius’ Mosella aus der maritimhistorischen Sichtweise zu erklären.«

Weitere Informationen und einen Vordruck für die Bestellmöglichkeit findet das Publikum auf der Verlagsseite.

K… und K… – Nach Kalkriese nun Kalefeld

Am 11.01.2012 fand die angekündigte Pressekonferenz im Landesamt für Denkmalpflege in Hannover statt. Dort wurden endlich die wichtigsten Funde der Grabungen am Harzhorn bei Kalefeld, unmittelbar an der BAB 7 (Göttingen-Hannover; nahe Lat. 51.83599, Long. 10.091572; Karte bei Welt online, Landschaftsfoto bei Welt online), vorgestellt.

Zur Vorgeschichte: 2000 wurde von Privatpersonen bei der Recherche zu mittelalterlichen Burgbauten am Harzhorn eine antike Speespitze gefunden; erst acht Jahre später, nach einer erneuten Observierung des Geländes und weiteren Funden konnte von Mitarbeitern der Kreisarchäologie auch eine römische Hipposandale, ein metallner Schuh für Pferde im Militäreinsatz, identifiziert werden. Spätestens jetzt war klar: hier musste etwas Bedeutsames versteckt sein, am Harzhorn muss es zu einem historischen Ereignis gekommen sein, das bisher noch niemandem aufgefallen war. Römische Militärausstattung so weit nordöstlich vom Limes und dazu noch deutlich nach dem 1. Jahrhundert n. Chr. ließ Spekulationen in die Medienlandschaft wachsen.

Seit letzter Woche ist nun klar: um die Funde am Harzhorn handelt es sich um die Zeugnisse einer der heftigsten Auseinandersetzungen zwischen Germanen und Römern im 3. Jahrhundert n. Chr., zu einer Zeit also, als man die Römer nicht mehr so weit im freien Grermanien vermuten durfte. Das wohl bedeutendste Zeugnis ist eine dolabra, eine Militärspitzhacke/Militäraxt zu Schanzungsarbeiten, die im Notfall auch als Kampfwaffe Verwendung finden konnte. Auf der Axt lässt sich die Eigentumsangabe: LEG IIII für Legio quarta erkennen; der Rest der Inschrift ist momentan noch schwer zu erkennen und zu lesen. Die Zahlenangabe IIII statt IV (wie es heute noch in Schulen und Universitäten gelernt wird) ist keine sonderliche Ausnahme, sondern der Normalfall in der fortgeschrittenen römischen Kaiserzeit.

Die Axt lässt sich entweder der Legio IIII Flavia Felix, damals stationiert in der Nähe des heutigen Belgrad (Serbien), oder der Legio IIII Italica zuweisen; Mitglieder der IIII Flavia Felix starben im syrischen Cyrrhus (in einem Partherkrieg der Severer im 3. Jh. oder in einer Auseinandersetzung gegen die Sasaniden), sind aber auch im römischen Speyer nachgewiesen (CIL 13, Nr. 6104/ILS 2310): D(is) M(anibus) / Aur(elio) Vitali / mil(iti) leg(ionis) IIII Fl(aviae) / stip(endiorum) VII vixit / an(nos) XXV agens / expeditione / Germaniae Fl/avius Proc(u)l/us mil(es) leg(ionis) s(upra) s(criptae) / secundus he/res contuber/nali bene mer/e[nti] f(aciendum) c(uravit).
Eine moderne, sinngemäße Übersetzung kann lauten: Den Totengöttern. Dem Aurelius Vitalis, Soldat der Legio IIII Flavia, im siebten Dienstjahr, der 25 Jahre lebte, Teilnehmer der Expedition gegen Germanien. Flavius Proculus, Soldat der selben Legio, sein (Nach-)Erbe, sorgte (für diesen Grabstein) für seinen Zeltgenossen zur wohlgemeinten Erinnerung.

Weitere Funde aus dem Bereich des Harzhornes (Münzen, Pfeil- und Speerspitzen, darunter auch eine germanische Lanzenspitze, Torsionsmunition) legen eine Datierung auf 235 n. Chr. nahe, dem Jahr, in dem Maximinus Thrax, der erste der sog. Soldatenkaiser, als Nachfolger des auf seinen Befehl in Mainz ermordeten Kaisers Severus Alexander den geplanten Germanien-Feldzug durchführte. Münzen des Severus Alexander (geprägt 228 n. Chr.) und die üblichen C14-Probenuntersuchungen belegen diese Jahreszahl.

Auf dem Rückweg muss es dann beim Harzhorn zu einem der heftigsten Kämpfe gekommen sein, die die Römer nach 9 n. Chr (Kalkriese) und den Rachefeldzügen des Germanicus (14–16 n. Chr.); während wir in Kalkriese, dem Waterloo der römischen 17., 18. und 19. Legion unter Varus, enorme Mengen an Trossfunden verzeichnet finden, sind am Harzhorn bisher nur römische Waffenfunde nachgewiesen. Es liegt hier nahe, einen römischen Sieg zu erwarten, zumal Maximinus Thrax erst Jahre später den Tod in Aquileia erlitt – eine Niederlage in Germanien hätte ihm schon damals zum Nachteil werden können.

Weitere Links:
http://adrianmurdoch.typepad.com/my_weblog/2012/01/legion-iiii-present-at-battlefield-at-kalefeld.html
http://adrianmurdoch.typepad.com/my_weblog/2012/01/legion-iiii-present-at-battlefield-at-kalefeld-redux.html
http://www.welt.de/kultur/article2881449/Hier-metzelten-Roemer-die-Germanen-nieder.html
http://www.welt.de/kultur/history/article13801873/Roms-vierte-Legion-fuehrte-Krieg-in-Germanien.html
http://www.ndr.de/regional/niedersachsen/harz/harzhorn127.html
http://www.ndr.de/kultur/kunst_und_ausstellungen/kjharzhorn102.html

Harzhorn bei Kalefeld:
http://www.ndr.de/regional/niedersachsen/schlachtfeld102_v-contentgross.jpg (Topographie; © dpa, Fotograf: Stefan Rampfel)
http://www.ndr.de/regional/niedersachsen/kalefeld102_v-contentgross.jpg (Speerspitze; © AP, Fotograf: Jörg Sarbach).

Einladung des Landesdenkmalamtes:
http://www.denkmalpflege.niedersachsen.de/portal/live.php?navigation_id=28589&article_id=101968&_psmand=45

Projektseite: Römerschlacht am Harzhorn – Roms vergessener Feldzug:
http://www.roemerschlachtamharzhorn.de/

Nachtrag (06.04.2012)

Siehe dazu nun (06.04.2012) den Artikel im Blog »Bread and Circuses« von Adrian Murdoch http://adrianmurdoch.typepad.com/my_weblog/2012/03/roman-camp-in-reinhardswald.html; 30.03.2012) und im HNA vom 29.03.2012 (http://www.hna.de/nachrichten/kreis-kassel/hofgeismar/roemerlager-reinhardswald-2258770.html.

Nachtrag (04.10.2012)

Am 1. September 2013 (bis 19. Januar 2014) werden nun die Funde und ihre Einbettung in die römische Geschichte des nicht besetzten Germaniens im 3. Jh. n. Chr. in einer opulenten Ausstellung im Landesmuseum Braunschweig gezeigt. Näheres kann den Informationen des NDR und des Landesmuseums Braunschweig entnommen werden.

Nachtrag (25.11.2012)

Jetzt kommt es auch zum Re-Enactment der Schlacht am Harzhorn, zumindest aber zum archäologischen Experiment der Torsionsgeschütze, die Thema einer Abschlussarbeit am Lehrstuhl von Prof. Dr. Burkhard Meißner (Helmut-Schmidt-Universität Hamburg; Universität der Bundeswehr) war. Der NDR stellte am 24.11.2012 eine kurze filmische Sequenz bereit.

Gestohlene Museumsstücke aus Olympia gefunden – Räuber dingfest gemacht

Die griechische Polizei kann einen bedeutenden Erfolg vermelden: die beim Raub im Museum von Olympia am 17. Februar 2012 entwendeten archäologischen Funde sind bei einem vorgetäuschten Verkauf/Ankauf-Geschäft am 23.11.2012 in der Nähe von Patras sichergestellt worden, die vermutlichen Täter wurden bis auf zwei, nach denen nun gefahndet wird, festgenommen und dem Haftrichter vorgeführt.

Näheres in englischer Sprache auf der Homepage der griechischen Polizei:
http://www.astynomia.gr/index.php?option=ozo_content&lang=%27..%27&perform=view&id=22580&Itemid=989&lang=EN

Das kurze und wortlose Video zu den Funden

© Ellenikí Astynomía, 2012.

Gesamtschau der Funde

 © Ellenikí Astynomía, 2012.