K… und K… – Nach Kalkriese nun Kalefeld

Am 11.01.2012 fand die angekündigte Pressekonferenz im Landesamt für Denkmalpflege in Hannover statt. Dort wurden endlich die wichtigsten Funde der Grabungen am Harzhorn bei Kalefeld, unmittelbar an der BAB 7 (Göttingen-Hannover; nahe Lat. 51.83599, Long. 10.091572; Karte bei Welt online, Landschaftsfoto bei Welt online), vorgestellt.

Zur Vorgeschichte: 2000 wurde von Privatpersonen bei der Recherche zu mittelalterlichen Burgbauten am Harzhorn eine antike Speespitze gefunden; erst acht Jahre später, nach einer erneuten Observierung des Geländes und weiteren Funden konnte von Mitarbeitern der Kreisarchäologie auch eine römische Hipposandale, ein metallner Schuh für Pferde im Militäreinsatz, identifiziert werden. Spätestens jetzt war klar: hier musste etwas Bedeutsames versteckt sein, am Harzhorn muss es zu einem historischen Ereignis gekommen sein, das bisher noch niemandem aufgefallen war. Römische Militärausstattung so weit nordöstlich vom Limes und dazu noch deutlich nach dem 1. Jahrhundert n. Chr. ließ Spekulationen in die Medienlandschaft wachsen.

Seit letzter Woche ist nun klar: um die Funde am Harzhorn handelt es sich um die Zeugnisse einer der heftigsten Auseinandersetzungen zwischen Germanen und Römern im 3. Jahrhundert n. Chr., zu einer Zeit also, als man die Römer nicht mehr so weit im freien Grermanien vermuten durfte. Das wohl bedeutendste Zeugnis ist eine dolabra, eine Militärspitzhacke/Militäraxt zu Schanzungsarbeiten, die im Notfall auch als Kampfwaffe Verwendung finden konnte. Auf der Axt lässt sich die Eigentumsangabe: LEG IIII für Legio quarta erkennen; der Rest der Inschrift ist momentan noch schwer zu erkennen und zu lesen. Die Zahlenangabe IIII statt IV (wie es heute noch in Schulen und Universitäten gelernt wird) ist keine sonderliche Ausnahme, sondern der Normalfall in der fortgeschrittenen römischen Kaiserzeit.

Die Axt lässt sich entweder der Legio IIII Flavia Felix, damals stationiert in der Nähe des heutigen Belgrad (Serbien), oder der Legio IIII Italica zuweisen; Mitglieder der IIII Flavia Felix starben im syrischen Cyrrhus (in einem Partherkrieg der Severer im 3. Jh. oder in einer Auseinandersetzung gegen die Sasaniden), sind aber auch im römischen Speyer nachgewiesen (CIL 13, Nr. 6104/ILS 2310): D(is) M(anibus) / Aur(elio) Vitali / mil(iti) leg(ionis) IIII Fl(aviae) / stip(endiorum) VII vixit / an(nos) XXV agens / expeditione / Germaniae Fl/avius Proc(u)l/us mil(es) leg(ionis) s(upra) s(criptae) / secundus he/res contuber/nali bene mer/e[nti] f(aciendum) c(uravit).
Eine moderne, sinngemäße Übersetzung kann lauten: Den Totengöttern. Dem Aurelius Vitalis, Soldat der Legio IIII Flavia, im siebten Dienstjahr, der 25 Jahre lebte, Teilnehmer der Expedition gegen Germanien. Flavius Proculus, Soldat der selben Legio, sein (Nach-)Erbe, sorgte (für diesen Grabstein) für seinen Zeltgenossen zur wohlgemeinten Erinnerung.

Weitere Funde aus dem Bereich des Harzhornes (Münzen, Pfeil- und Speerspitzen, darunter auch eine germanische Lanzenspitze, Torsionsmunition) legen eine Datierung auf 235 n. Chr. nahe, dem Jahr, in dem Maximinus Thrax, der erste der sog. Soldatenkaiser, als Nachfolger des auf seinen Befehl in Mainz ermordeten Kaisers Severus Alexander den geplanten Germanien-Feldzug durchführte. Münzen des Severus Alexander (geprägt 228 n. Chr.) und die üblichen C14-Probenuntersuchungen belegen diese Jahreszahl.

Auf dem Rückweg muss es dann beim Harzhorn zu einem der heftigsten Kämpfe gekommen sein, die die Römer nach 9 n. Chr (Kalkriese) und den Rachefeldzügen des Germanicus (14–16 n. Chr.); während wir in Kalkriese, dem Waterloo der römischen 17., 18. und 19. Legion unter Varus, enorme Mengen an Trossfunden verzeichnet finden, sind am Harzhorn bisher nur römische Waffenfunde nachgewiesen. Es liegt hier nahe, einen römischen Sieg zu erwarten, zumal Maximinus Thrax erst Jahre später den Tod in Aquileia erlitt – eine Niederlage in Germanien hätte ihm schon damals zum Nachteil werden können.

Weitere Links:
http://adrianmurdoch.typepad.com/my_weblog/2012/01/legion-iiii-present-at-battlefield-at-kalefeld.html
http://adrianmurdoch.typepad.com/my_weblog/2012/01/legion-iiii-present-at-battlefield-at-kalefeld-redux.html
http://www.welt.de/kultur/article2881449/Hier-metzelten-Roemer-die-Germanen-nieder.html
http://www.welt.de/kultur/history/article13801873/Roms-vierte-Legion-fuehrte-Krieg-in-Germanien.html
http://www.ndr.de/regional/niedersachsen/harz/harzhorn127.html
http://www.ndr.de/kultur/kunst_und_ausstellungen/kjharzhorn102.html

Harzhorn bei Kalefeld:
http://www.ndr.de/regional/niedersachsen/schlachtfeld102_v-contentgross.jpg (Topographie; © dpa, Fotograf: Stefan Rampfel)
http://www.ndr.de/regional/niedersachsen/kalefeld102_v-contentgross.jpg (Speerspitze; © AP, Fotograf: Jörg Sarbach).

Einladung des Landesdenkmalamtes:
http://www.denkmalpflege.niedersachsen.de/portal/live.php?navigation_id=28589&article_id=101968&_psmand=45

Projektseite: Römerschlacht am Harzhorn – Roms vergessener Feldzug:
http://www.roemerschlachtamharzhorn.de/

Nachtrag

Siehe dazu nun (06.04.2012) den Artikel im Blog »Bread and Circuses« von Adrian Murdoch http://adrianmurdoch.typepad.com/my_weblog/2012/03/roman-camp-in-reinhardswald.html; 30.03.2012) und im HNA vom 29.03.2012 (http://www.hna.de/nachrichten/kreis-kassel/hofgeismar/roemerlager-reinhardswald-2258770.html.

Neuerscheinungen 2011/6

So, Weihnachten und der Jahreswechsel können kommen.
Vorgestern habe ich den ersten Teil der letzten Cover Pietas Band 4Neuerscheinung des
Verlages für das Jahr 2011 abgeholt und die dazugehörigen Informationen,
ins Netz gestellt.

Katja Wedekind: Religiöse Experten im lokalen Kontext.
Kommunikationsmodelle in christlichen Quellen des 1.–3. Jhs. n. Chr.
Gutenberg 2012.
ISBN 978-3-940598-11-0.
Preis: 68,00 Euro (in D portofrei; »anywhere else« zzgl. Porto)

Es ist der vierte Band in der Reihe »Pietas«, die sich mit griechischer und römischer Religionsgeschichte im weiten Sinn der Bedeutung beschäftigt, und der nunmehr dritte Band, der in meinem Verlag erschienen ist. Dieses Mal geht es in einer religionswissenschaftlichen Dissertation, die 2007 an der Universität Erfurt eingereicht wurde, um frühchristliche Gemeinden, ihre Lehrer sowie die Apostelreisenden und deren Auftreten und Akzeptanz in den kleinen pagan-christlichen und judenchristlichen Gemeinden. Wer noch mehr wissen will, schaut sich am besten auf der Buch-Webpage nach.

Nächste Woche gehen die Belegexemplare raus, dann verabschiede ich mich mal für ein paar Tage in die Weihnachtsferien, die mit der Inventur sicher spassig genug werden. Von mir liest man dann wieder im Neuen Jahr. Bis dahin ein gesegnetes Weihnachtsfest und einen gelungenen Rutsch ins Neue Jahr 2012 wünscht

Jörn Kobes, Computus Druck Satz & Verlag, 19.12.2011.

Einzelhandel und Unternehmensgeschichte in Bad Kreuznach

Neuerscheinungen 2011/5:

Nachtrag vom 19.12.2011: Aufgrund des Erfolges ist das Buch von Marita Peil in einer Höhe von 200 Exemplaren nachgedruckt worden. Es sind also noch vor dem Weihnachtsfest ausreichend Exemplare im Bad Kreuznacher Buchhandel und im Verlag vorhanden.

Am 28.10.2011, 19 Uhr, wurde das neue Buch von Marita Peil mit einer Buchpräsentation im Haus des Gastes (Kurhausstr. 22–24) in Bad Kreuznach vorgestellt.Vor mehr als 120 interessierten Gästen führten Dr. Michael Vesper (Haus des Gastes, Geschäftsführer GuT GmbH Bad Kreunach), Dr. Martin Senner (Bad Kreuznach), Marita Peil (Autorin) und Dr. Jörn Kobes (Verleger, Gutenberg) in die im Buch dargestellte(n) Stadt- und Unternehmensgeschichte(n) ein.

In 12 Kapiteln hat die Autorin in akribischer und mühseliger Archivarbeit, die mit Interviews der Inhaber und ihrer Nachkommen angereichert werden konnten, ein facettenreiches Kaleidoskop erstellen können; dadurch lassen sich die Entwicklungen und Veränderungen in der Bad Kreuznacher Wirtschaftswelt von der ausgehenden Kaiserzeit bis weit in die 1990er Jahre nachzeichnen.

Daneben werden allerlei Privates, Geschäftliches, der Umgang mit Kunden, Lieferanten und Gaunern offen gelegt, was sonst hinter der Eingangstür der jeweiligen Geschäfte und Firmen geblieben wäre.

Das Buch ist im Computus Druck Satz & Verlag in Gutenberg erschienen und steht ab 29.10.2011 in allen Bad Kreuznacher Buchhandlungen, in der Taberna libraria und direkt im Verlag zum Verkauf bereit. Sie können es aber auch über eine Ihnen vertraute Buchhandlung bestellen.

Marita Peil signiert ihr Buch am 29.10. ab 10 Uhr in der Buchhandlung Dr. Kohl (Kornmarkt/Beinde 6), am 30.10. ab 14 Uhr in der Rottmann Buchhandlung (Ecke Mannheimer Str./Salinenstr.) und am 12.11. in der Taberna libraria (Mannheimer Str. 80). Zu den Terminen können Interessierte auch das Gespräch mit der Autorin suchen und sich mit ihr austauschen; denn Marita Peil steckt schon voll in den Recherchearbeiten für einen Fortsetzungsband.

Mehr Bilder werden in Kürze hier eingestellt; einstweilen bis dahin drei weiterführende Links:

  • die Buchpräsentation in 2 Teilen als Youtube-Video:
    • Teil 1 (Dr. Vesper, Dr. Senner)

    • Teil 2 (M. Peil, Dr. Kobes)

  • eine Kurzlesung von Marita Peil und Hajo Langer (auf Youtube; unten das eingebundene Video)

  • der Verlag
  • das Buch

Zuletzt aktualisiert: 30.10.2011, 12:47 Uhr

 

 

Eine neue Inschrift, vor wenigen Tagen im rumänischen Parcul Costozza, dem antiken Alba Iulia (Apulum), gefunden, belegt erneut die damnatio memoriae, die Caracalla gegen seinen jüngeren Bruder Geta nach dem Tod des gemeinsamen Vaters Septimius Severus verordnet hatte.Die Inschrift aus Alba Iulia

Die Originalmeldungen (1. http://www.citynews.ro/alba/eveniment-29/marturii-arheologice-razbunare-politica-in-anticul-apulum-202308/ (in Rumänisch); 2. http://www.bucharestherald.ro/dailyevents/41-dailyevents/26169-inscription-proving-the-conflict-between-roman-emperors-geta-and-caracalla-was-discovered-at-alba-iulia (in Rumänisch und Englisch)) und die Blog-Nachricht: http://rogueclassicism.com/2011/10/22/more-evidence-of-the-caracalla-geta-damnatio-memoriae/ finden sich dort.

Ein lebensnahes Porträt des Makedonenkönigs Alexander III.Alexander der Große – Porträt zu Lebzeiten?, gefunden auf Goldmünzen in einem Hort im Grenzgebiet zwischen Afghanistan und Pakistan, macht gerade Furore im Blätterwald quer über den Globus. Begonnen wurde dies von einem Numsimatiker aus Sri Lanka, Osmund Bopearachchi, in der Sunday Times von diesem Wochenende. Alles an weiteren Informationen lässt sich finden im Blog Rogueclassicism.

Fast 550000 $ für eine Freiheitspropaganda

In der September-Auktion der Heritage Auction Galleries in Long Beach (Kalifornien, USA) kam eine der berühmtesten Münzen (2008 zur Nr. 1 der berühmtesten antiken Münzen gewählt) aus der griechisch-römischen Geschichte und Numismatik unter den Hammer; den Zuschlag erhielt ein Bieter für 546.250 $ – mithin einer der höchsten Preise, die bisher für eine einzelne Münze geboten wurde und auf die ein Zuschlag erteilt worden ist.

Was ist nun das Besondere an der Münze? Es handelt sich um einen Silberdenar (Gewicht: 3,72 Gramm) des M. Iunius Brutus aus dem Spätsommer/Herbst des Jahres 42 v. Chr. und verherrlicht den Mord der Verschwörer an Caesar (15. März 44 v. Chr.) als Akt der Freiheit, die der res publica durch die Täter zurückgegeben worden sei. Freiheitsmünze des Brutus

Auf der Rückseite sind zwei Dolche und der pileus, die Freiheitsmütze, abgebildet, der Sklaven am Tag ihrer Freilassung überreicht wurde. Damit zeigen die Verschwörer an, dass sie der res publica durch ihre Tat die Freiheit zurückgegeben haben und den Staat vor der Knechtschaft Caesars, gleichgültig, ob man sie Diktatur oder Königsherrschaft nennt, gerettet haben.

Auf der Vorderseite (s. rechtsstehende Abb.) erleben wir ein Novum der republikanischen Münzemission: M. Iunius Brutus (bartlos, einige andere zeigen ihn auch bärtig, so ebenfalls auf einem aureus) ist in einer Büste dargestellt – die Darstellung eines Lebenden ist während der Republik ein unerhörter Akt, ein Tabu, einer gesellschaftlichen Oberschicht, die mehr an Herkunft, Alter und Geschichte der Familiengeschlechter interessiert war als der Heraushebung einzelner aus der Gruppe der angesehenen Familien in Rom. Caesar hatte dies 44 v. Chr. erstmals getan, die Verschwörer um Brutus machten es ihm kurz nach Caesars Ermordung nun nach.

Die Münzumschrift lautet links: L(ucio) Plaet(orio) Cest(iano) = Unter dem Münzmeister L. Plaetorius Cestianus – über dem Kopf des Brutus: Brut(o) imp(eratore).

Diese Münzen wurden emittiert, um die republikanischen Truppen gegen die Koalition zwischen M. Antonius und dem jungen C. Iulius Caesar, dem späteren Augustus, bezahlen zu können. Nach dem Sieg über die Verschwörer verschwanden diese Münzen schnell aus der Öffentlichkeit, wurden auf Veranlassung der Sieger, die eine solche Propaganda nicht wünschen konnten, eingeschmolzen. Heute sind nur noch weniger als 100 Exemplare bekannt, dafür aber unzählige antike und nachantike Nachahmungen, Kopien und Fälschungen.

Quelle:

  • http://www.numismaster.com/ta/numis/Article.jsp?ad=article&ArticleId=23683
  • http://coins.ha.com/c/item.zx?saleNo=3015&lotNo=23268
  • Harlan J. Berk: 100 Greatest Ancient Coins, Chicago 2008, zu finden auf der Firmenhomepage oder bei Amazon.

Die Marathon-Inschrift

Im Jahr 2000 wurde bei Sondierungsarbeiten in einem römischen Villenkomplex aus dem 2. Jh. n. Chr., der nach übereinstimmender Meinung dem Herodes Atticus als Besitz zugewiesen wurde, eine marmorne orthogonale Stele, bekrönt mit einem sog. lesbischen Kymation, gefunden, auf der neben einer Liste von erkennbar 22 Männern auch der Grund überliefert wurde, warum ihre Namen auf dieser Stele notiert worden ist: es sind die im Kampf gegen die Meder (also: Perser) gefallenen Bürger, die dem Demos Erechtheis angehört hatten.

Sprache, Schrift und verwendetes Alphabet, dazu auch die Textinformationen verweisen sehr schnell auf das herausragende Ereignis im Laufe der Perserkriege als Hintergrund für die Gefallenenliste: die Schlacht von Marathon, die sich in diesem Jahr irgendwann im August oder September zum 2500sten Mal jährt.

Die Marathon-Inschrift (Text: SEG LVI [2006], 2010, 430; vgl. SEG 55, 413; dazu zwei nicht weiter zuweisbare Fragmente, wohl Teile einer oder mehrerer Stelen: SEG 56, 431 und 432)

Text Übersetzung

Ἐ     ρ     ε     χ     θ     ε     ΐ     [ς]

Φêμις ἄρ᾽ | hος κιχ[άν]< ει> αἰεὶ εὐφαõς hέσσχατα γαί[ες]
τõνδ᾽ ἀνδρõν ἀρετὲν πεύσεται hος ἔθανον
[μ]αρνάμενοι Μέδοισι καὶ ἐσστεφάνοσαν Ἀθένας
[π]αυρότεροι πολλõν δεχσάμενοι πόλεμον

Δρακοντιδες
Ἀντιφõν
Ἀφσέφες
Χσένον
Γλαυκιάδες
Τιμόχσενος
Θέογνις
Διόδορος
Εὐχσίας
Εὐφρονιάδες
Εὐκτέμον
Καλλίας
Ἀντίας
Τόλμις
Θοκυδίδες
Δῖος
Ἀμυνόμαχος
Λεπτίνες
Αἰσχραῖος
Πέρον
Φαο[δ]ρίας
[- - - - - - - -]

Erechtheis

Die Nachricht, als sie die äußersten Grenzen der immer hellen Erde berührte,
soll lehren den Opfermut der Männer: wie sie starben
in dem Kampf gegen die Meder, und wie sie Athen bekränzten,
die wenigen, die den Kampf gegen viele wagten.

Drakontides
Antiphon
Aphsephes
Xenon
Glaukiades
Timoxenos
Theognis
Diodoros
Euxias
Euphroniades
Euktemon
Kallias
Antias
Tolmis
Thokydides
Dios
Amynomachos
Leptines
Aischraios
Peron
Phao[d]rias
[- - - - - - - - -]

 

Die Übersetzung ins Deutsche, trocken und wenig geschmeidig, stammt von mir. Der Anlautverlauf (sog. lenis) lässt sich leider nicht befriedigend in HTML (und WordPress) darstellen. Der Lenis ist bei den Personennamen, die mit einem Vokal, aber nicht mit einem Doppelvokal beginnen, vor dem Vokal zu lesen.

Ein Foto und eine Umzeichnung der Inschrift findet sich in der Präsentation von John Marincola: "Epilogue: What Happened After the Battle of Marathon" – Marathon2500 Lecture no. 8, auf http://readingodyssey.com/professor-john-marincola-marathon2500-lecture.

Bisher ist die Inschrift teilweise mit, teilweise ohne Fotos (ohne Anspruch auf Vollständigkeit der Liste) erwähnt worden:

  • http://chronique.efa.gr/index.php/fiches/voir/904/
  • http://surprisedbytime.blogspot.com/2009/06/missing-acropolis-marble.html
  • http://surprisedbytime.blogspot.com/2011/04/marathon-stone.html
  • http://entertainment.timesonline.co.uk/tol/arts_and_entertainment/the_tls/article7172938.ece (Peter Thonemann, Oxford)
  • http://flinterm.home.xs4all.nl/Vakantie-in-Kynouria.html
  • http://blogs.wabash.edu/accents/2010/10/27/the-battle-of-marathon/
  • http://www.chs-fellows.org/blog/philosophy/gleaned-from-the-latest-supplementum-epigraphicum-graecum/ (Nikolaos Papazarkadas, Univ. of California at Berkeley)
  • http://rambambashi.wordpress.com/2010/09/12/marathon-again/
  • http://www.sparta.markoulakispublications.org.uk/index.php?id=259

Zum Komplex »Marathon. Ort, Schlacht und Mythos«:

  • http://www.marathon2500.org/

Marathon – eine Podcast-Serie

Nach traditionellem Datum fand heute vor 2500 Jahren die Schlacht bei Marathon zwischen einem Teil der Griechen unter der Führung Athens und dem persischen Expeditionsheeres des Dareios statt. Tausende Seiten wurden über dieses Ereignis geschrieben. Der möglicherweise nur regional bedeutsame Kampf einer griechischen Mittelmacht gegen einen anscheinend übermächtigen Feind, den man zudem noch herausgefordert hatte, wird seit seinem Ausgang als Kampf »West gegen Ost«, »Zivilisation gegen Despotie«, »Demokratie geGrabhügel der Athener in Marathongen Monarchie« gedeutet und verklärt.

Man steigert sich dabei gerne auch in einen in meinen Augen relativ ergebnislosen Vergleich, was wäre passiert, wenn die Perser, die in der Ebene von Marathon auf einen zahlenmäßig schwächeren Gegner gestoßen sind, siegreich geblieben wären. Wäre bei einem für Dareios siegreichen Ausgang die europäische Geschichte anders verlaufen? Hätte die Entwicklung seit dem 12. September 490 v. Chr. einen anderen als den bekannten Verlauf nehmen können? Wir wissen es nicht, wir werden es nie erfahren.

Dem Ereignis, das in der heutigen Tagespresse relativ unbekannt ist, widmen sich seit nunmehr fast einem Jahr bekannte Altertumswissenschaftler um Paul Cartledge (A.G. Leventis Chair of Greek Culture, Cambridge, UK) in einer Vortragsreihe, die über das WWW jederzeit abrufbar ist. Unter www.marathon2500.org sind (fast) alle Beiträge als Podcast erreichbar; die Vortragsreihe schließt nun mit dem Vortrag von Paul Cartledge am 21.09.2011 (01:00 Uhr New York Zeit):

The Context and Meaning of the Battle of Marathon: Why we have been celebrating the 2,500 year anniversary, by Paul Cartledge

Anschließend wird öffentlich und direkt diskutiert »… Brief lecture and then Q&A with listeners from all over the world«. Trotz der für Europäer gewöhnungsbedürftigen Zeit verspricht dieser Vortrag mit anschließender Diskussion ein besonderer Höhepunkt der Reihe zu werden.

Das komplette Programm finden Sie hier.

Papyrologie von der Straße?

Nachdem in den Geisteswissenschaften in den letzten Wochen Buchprojekte, die sich über Crowdfounding realisieren sollen, immer mehr Beachtung finden, hat nun die Papyrologie der Oxford University eine neue Facette, und dies nicht einmal ohne reale Erfolgschance, in die Wissenschaftswelt geworfen: ancientlives.org

Es geht um folgende Aufgabe: mangels ausreichender finanzieller Ausstattung haben die Papyrologen der Oxford University die bisher noch unveröffentlichten und (nicht erkannten) Papyri, die zum Ende des 19. Jahrhunderts und danach im ägyptischen Oxyrhynchos gefunden wurden, in einem Online-Projekt ins Netz gestellt und bieten jedem Interessierten an, sich kostenlos an der Entzifferung der Papyri  zu beteiligen. Dabei wird von Anfang an jeder »Stallgeruch« abgelehnt, d.h. vorhandene Griechischkenntnisse müssen gar nicht vorhanden sein; dagegen sollen durch Phantasie, Intuition und fehlendes Fachwissen einzelne Wörter der Papyri erkannt werden; diese werden dann mit einer Datenbank antiker Texte und Papyri online abgeglichen. Wenn die Trefferquote aus vermuteten und gelesenen sowie verifizierten Wörtern ausreichend zu sein scheint, ist die Wahrscheinlichkeit nicht gering, dass der Papyrusfetzen erkannt werden könnte bzw. neue Papyri schon hinreichend erkannt werden, so dass eine wissenschaftliche Beschäftigung mit dem nun erkannten Stück in nächster Zeit zu erwarten sei.

Der Ansatz ist interessant; ob er dann aber auch zu Erfolgen führen kann, werden die ersten wissenschaftlich fundierten Ergebnisse beweisen müssen.

Neuerscheinungen 2011/4

Florian Krüpe: Die Damnatio memoriae. Über die Vernichtung von Erinnerung. Eine Fallstudie zu Publius Septimius Geta (189–211 n. Chr.), Gutenberg 2011.

Die Studie zur »Verdamnis der Erinnerung« von Florian Krüpe ist nun erschienen. In dieser Marburger Dissertation (2004) widmet sich der Autor, akademischer Rat an der Philipps-Universität Marburg, der staatlich verordneten Auslöschung von Namen mißliebiger Personen von der römischen Republik bis zu den Kaisern des frühen 3. Jhs. n. Chr.; der Schwerpunkt liegt im Bruderzwist zwischen Caracalla und Geta, der mit der Ermordung des jüngeren Geta 211 nur einen vorläufigen Höhepunkt erreichte und im Nachgang durch die damnatio memoriae Getas ihren Abschluß fand. Gleichzeitig zeigt der Autor mustergültig die Entwicklungsstränge auf, die aus der römischen Republik in die Kaiserzeit reichten. Basis seiner Studien sind in erster Linien die althistorisch und archäologisch relevanten Quellen; arüber hinaus finden auch Arbeiten zur Soziologie und Politikwissenschaft ihre verdiente Beachtung.

Alles weiteren Informationen finden Sie auf der Buchseite im WWW.